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Am Bösen aufgerichtet

Das permanente Lesen wissenschaftlicher Lektüre vertreibt mir gründlich die Lust, auch in meiner Freizeit anspruchsvolle Literatur zu verschlingen. So beneide ich einerseits Andreas, der scheinbar noch nie Trivialliteratur auch nur von außen angeschaut hat, und andererseits den jungen Aikido-Gott um seine Kleist-Lektüre, um mich der schnöden Trivialliteratur zuzuwenden.

So legte ich gestern erst Antéchrista von A. Nothomb beiseite. Immerhin habe ich es in der OV gelesen. Ein wunderbares Buch, welches mal wieder die Abgründe der menschlichen Seele auslotet und das Böse in uns ergründet, ganz ohne große historische Szenarien oder dramatische Hintergrundgeschichten. Es schildert schlicht und einfach die Beziehung zwischen zwei Menschen, die geprägt ist von Dominanz und unfreiwilliger Unterwerfung. Die Befreiung aus zweiterer erfolgt ohne die Hilfe eines rettenden Engels. Die Betroffene zieht sich wie Münchhausen selbst aus dem Dreck. Weil ihr nix anderes übrigbleibt, nur der Untergang. Die Geschichten der Nothomb sind realistisch im Unrealisitischen: Auch im wahren Leben erscheinen selten rettende Engel. Würde der Ottonormalverbraucher allerdings nicht eher untergehen in und mit seinem Elend, als sich selbst daraus herauszuziehen?

Wie auch immer. Ein sehr schönes Buch.

 

08.06.2006 16:12 von Henny

  1. Deine Frage deutet es an: fiktionale Literatur ist Entertainment, hat aber nur begrenzte Aussagekraft für die Deutung der Realität. Aber wenns gefällt, dann kann man auch sowas lesen. Es ist sicher nicht die schlechteste Form der Freizeitgestaltung.

    » Andreas » 4128 Tage zuvor » #
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