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Sinnvoller ärgern

Teammeetings erscheinen oft sinnfrei. Es werden Sachverhalte im “Team” diskutiert, die zum Teil nur einzelne Kolleginnen betreffen und fast nie einen selbst. Außerdem darf man weder stricken noch Bücher lesen. Was bleibt einem also anderes übrig, als still und leise zu beobachten und sich seine Gedanken zu machen? Das hier kam neulich bei der Beobachtung zweier keifender Kolleginnen raus:

1. Ärger dient der Sinnstiftung. Über Dinge, die einem nicht wichtig sind, ärgert man sich nicht. Ergo sind Dinge über die man sich ärgert und aufregt wichtig für einen. Eine andere – und sicherlich schönere – Möglichkeit der Sinnstiftung ist Freude. Wer wenig Freude im Leben empfindet, hat vielleicht das Gefühl sein Leben sei unwichtig bzw. ohne Sinn. Für einige Menschen ist Ärger offenbar leichter zu produzieren als Freude. Also ärgern sie sich ständig – anstatt sich zu freuen – und somit vermitteln ihrem Selbst das Gefühl etwas Wichtiges zu tun und selbst Bedeutung zu haben.

Die Konstellation Ärger zeigen = zeigen, dass einem eine Sache am Herzen liegt lässt sich auch künstlich herstellen und benutzen. Ich denke, viele Konflikte entscheiden sich nicht zu Gunsten desjenigen, der bessere Argumente hat, sondern zu Gunsten desjenigen, dem die Angelegenheit wichtiger scheint und der sich folglich mehr aufregt.

2. Menschen, die sich aufregen oder stänkern, versuchen sich wichtig zu machen. Die Grenzüberschreitung ist nicht das Ziel, sondern nur Mittel zum Zweck. Häufig entsteht in solch einer Situation der Wunsch, denjenigen in die Schranken zu weisen und ihm zu vermitteln, dass sein Verhalten unakzeptabel ist. Vielleicht erreicht er durch diese Reaktion aber auch sein Ziel nach Aufmerksamkeit. Das Ignorieren der Grenzüberschreitung ist vielleicht die bessere Lösung, da dem Ärgerer keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, er keine Bedeutung für mich erhält und somit sein Ziel nicht erreicht.

 

12.07.2009 13:27 von Henny

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