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behütete Kindheit

Wie behütet die meine war, vergesse ich manchmal. Ich bekam durchaus mal ne Ohrfeige von meinen Vollzeit arbeitenden Eltern, wurde in eine Diktatur hineingeboren und habe zu allem Überfluss die Pubertät nicht nur mit Selbstfindung, sondern auch mit Zurechtfindung in einem neuen kapitalistisch-demokratisch- individualistischen Staat verbracht.

Wie behütet meine Kindheit trotz dieser kleinen Systemfehler war, wurde mir gestern einmal mehr klar. Das alles ist so weit weg von meiner Wirklichkeit wie eine andere Galaxie. Unvorstellbar andere Menschen zu töten. Menschen die ich vielleicht gar nicht kannte. Unvorstellbar auch, das Leben so satt zu haben, dass ich meines beende.

Wie sich das wohl anfühlt? Ich will es eigentlich gar nicht wissen. Und werde es wohl auch nicht erfahren.

PS: Beklemmend ist auch die Tatsache, dass es diese jugendlichen Amokläufer auf ihre (ehemaligen) Schulen abgesehen haben, nicht auf ihre Eltern oder andere missratene Orte und Stationen ihres Lebens…

 

21.11.2006 18:16 von Henny

  1. Naja, die Schule ist halt der Ort des Versagens, also dem, was wohl am meisten an der Psyche des Einzelnen nagt. Ausserdem ist das Verhältnis zu den Eltern ja meistens in Ordnung oder zumindest nicht so kaputt, dass man in dieser Richtung “Handlungsbedarf” entdeckt.

    » Matthi » 4015 Tage zuvor » #
  2. Aber diese Leute werden ja nicht zu Amokläufern, nur weil sie schlechte Noten in der Schule bekommen haben. Sie hatten auch sonst keine Freunde und auch die Eltern haben es nicht geschafft, ihnen ein Gefühl des Wertseins zu vermitteln. Die Schule verstärkt dieses negative Selbstbild indem sie offenbar ein umfassendes Gefühl des Unwertseins vermittelt – der Schüler kann sich nicht in ein striktes System aus Verhaltensregeln einordnen, er erbringt nicht die gewünschten Leistungen und alles was dahinter liegt, familiäre Probleme u. ä., wird nicht in die Bewertung einbezogen. Hinzu kommt die Grausamkeit der Gleichaltrigen gegenüber Anders-seienden.
    Und selbst ich, die ich mich im Allgemeinen sehr gut in die Schule eingefügt habe, hatte nur selten das Gefühl von den Lehrern als Person wirklich ernst genommen zu werden.
    Ist das nun ein unvermeidbarer Systemfehler mit dem wir uns abfinden müssen oder sollte uns das nicht zu Veränderungen anregen?

    » Henny » 4014 Tage zuvor » #
  3. Das ist genau, was ich meine: Die Schule ist der Ort, wo einem seine Wertlosigkeit und soziale Inkompatibilität am stärksten verdeutlicht wird, denn genau hier findet das Sozialleben eines Schülers ja statt. Und auch wenn die Familie zerüttet ist, etc.: deutlich werden die Probleme erst im Umgang mit Anderen. Und die aufgestaute Wut entläd sich halt an dem Ort auf den sie sich fokussiert. Bei der Ursachennewältigung sollte man aber genau andersrum schauen.
    Sicherlich liegen die Gründe in Familie und Schule gleichermaßen, aber die Lösung kann nicht sein, Veränderungen am Schulsystem zu evrlangen und damit die Verantwortung aus der Hand zu geben. Ich denke, wenn man selbst seinem Nachwuchs die erforderliche Aufmerksamkeit und Erziehung zukommen lässt, wird er nicht wild um sich ballern.

    » Matthi » 4014 Tage zuvor » #
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