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Unfreiwillig komisch

Manchmal trifft die BILD den Nagel auf den Kopf. So auch im Fall der Ex-RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt, die gegen die BILD vorgeht, weil diese sie u. a. als Mörderin bezeichnete.

Die “Bild”-Zeitung erklärte, sie halte “das Ansinnen von Frau Mohnhaupt für absurd”. “Eine neunfache Mörderin bleibt eine neunfache Mörderin. Solche sprachlichen Selbstverständlichkeiten zu verbieten, wäre ein Missbrauch des Persönlichkeitsrechts zu Lasten umgangssprachlicher wie historischer Wahrheit, aber auch eine Verletzung der Meinungsfreiheit.” Die Opfer würden schließlich auch nicht zu Ex-Opfern.

 

29.03.2007 13:09 von Henny

  1. Obwohl ja der Ansatz der Resozialisierungsbehinderung was für sich hat, ich hätte auch keine Lust meine dreißig Jahre alten Vergehen auf den Titelseiten zu sehen.

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    Andreas » 3833 Tage zuvor » #
  2. Warum klagen eigentlich die ganzen entlassenen Ex-Kinderschänder und -Mörder nicht?

    » Henny » 3833 Tage zuvor » #
  3. Sich schuldig zu bekennen und dazu zu stehen ist eine Sache, den Rest des Lebens mit einem Brandmal auf der Stirn herumlaufen zu müssen etwas anderes. Ich sehe eher ein anderes Problem, nämlich dass man sie überhaupt rausgelassen hat. Wenn sie als Gesinnungstäterin über die Jahre nicht geläutert wurde und sich keine Entschuldigung abringen kann, dann ist sie immer noch eine Gefahr für die Gesellschaft. Daraus folgernd sollte man die Lebenslänglichkeit ihrer Haftstrafe wörtlich nehmen, wenn man sie aber trotzdem rausläßt und ihr als Mensch eine zweite Chance geben will, dann sind öffentliche Anprangerungen kontraproduktiv. Am Ende wird sie sich nur bestätigt sehen, eine weitere Springer-Kapitalismus-Pseudodemokratie-Weltverschwörung wittern und auch in Zukunft um die Vernunft einen großen Bogen machen.

    » Andreas » 3832 Tage zuvor » #
  4. Deine Argumentation vernachlässigt die der Demokratie inhärente Pluralität der Meinungen und der Akteure: Die BILD hat doch nicht für die Freilassung Brigitte M.s plädiert. Hat sie denn da nicht das Recht, weiterhin gegen diese Frau zu schreiben? Und wie gesagt: Über die freigelassenen Ex-Kinderschänder, die vielleicht auch eine Resozialisierung anstreben, kann sich auch jeder so abfällig äußern wie er mag. Und für Proteste gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen hatten wir hinter dem Schild der Meinungsfreiheit auch kein Verständnis, obwohl damit unter Umständen ungerechtfertigte Ressentiments gegen unschuldige Moslems geschürt wurden und obwohl der dänische Staat vielleicht eine ganz andere Politik gegenüber dem Islam verfolgte.

    Und im Übrigen glaube ich nicht, dass Frau M. für den Rest ihres Lebens mit solchen Schlagzeilen leben muss. In ein paar Wochen kräht kein Hahn mehr nach ihr. Aber vielleicht haben ja auch beide Recht: Die BILD mit ihrer Forderung nach Meinungsfreiheit und Brigitte M. mit ihrer Forderung nach Persönlichkeitsschutz.

    » Henny » 3832 Tage zuvor » #
  5. Recht hat/bekommt immer der, der seinen Standpunkt am plausibelsten darstellen kann. Die Boulevardpresse schafft das immer nur in der Darlegung ihrer Rechtsauffassung, aber selten in ihren polarsierenden Massenauflagen. Daher habe ich immer etwas mehr für denjenigen Verständnis, der von der Hetze betroffen ist.

    » Andreas » 3832 Tage zuvor » #
  6. Wenn es um den Otto-Normal-Bürger oder -Promi geht, stimme ich dir da durchaus zu, aber Frau M. hat sich in meinen Augen etwaiges Verständnis nicht verdient.

    » Henny » 3832 Tage zuvor » #
  7. Was meinst du, was es für Prozesse gäbe, wenn man alle aktuellen Staatsoberhäupter, die sich aus ideologischer Verblendung ebenfalls die Finger mit Blut beschmiert haben, öffentlich als Mörder bezeichnen würde. Der Unterschied ist, dass sich Frau M. selbst mandatiert und nicht für sondern gegen den Staat gemordet hat, das macht sie böse. Wie gesagt, man hätte sie meinetwegen nicht raus lassen brauchen, wenn man nicht bereit ist, ihr auch ein neues Leben zu ermöglichen.

    » Andreas » 3832 Tage zuvor » #
  8. Wie gesagt: Man gibt es in einer Demokratie nicht. Nur weil der Staat sie rausgelassen hat, müssen ihr jetzt nicht alle anderen eine Chance geben. Wie wär’s wenn sie sich die selbst erarbeitet?

    » Henny » 3831 Tage zuvor » #
  9. Außerdem muss man unterscheiden zwischen einem Staatsmann, der todbringende Entscheidungen die Befehlskette herunter gereicht hat, und jemanden, der den Abzug selbst betätigt hat. Im rechtlichen Sinne ist nur der oder die letztere ein Mörder/eine Mörderin, und er oder sie wird auch mit dieser gerichtlichen Feststellung leben müssen. Die anderen sterben in ihren Zellen in Den Haag, am Strang in Bagdad oder friedlich im Altersexil in Riad, und scheren sich wahrscheinlich herzlich wenig darum, wenn die Bild-Zeitung sie als Mörder bezeichnet.

    » Antenne » 3831 Tage zuvor » #
  10. Hui, dann machte sich also Frau M. nur durch ihre kleinbürgerliche Geisteshaltung unbeliebt, weil sie zum Einen glaubte, mit dem Mord an Individuen statt an Personengruppen die Welt ‘zu verbessern’ und zum Anderen, weil sie sich noch immer um ihr Renommee schert. Welch Ironie..

    » Andreas » 3830 Tage zuvor » #
  11. Also ich finde es eher ironisch, dass sie plötzlich unbehelligt in dieser Gesellschaft leben will, ohne sich bei den Opfern ihres Kampfes gegen diese Gesellschaft zu entschuldigen.

    Warum du Frau M. plötzlich mit mordenden (ausländischen) Staatsoberhäuptern vergleichst, will mir übrigens nicht in den Kopf. Ob die sich dafür interessieren würden, wenn die BILD sie Mörder nennt, wage ich übrigens auch zu bezweifeln. Und dass eine BILD in deren Land sich das nicht erlauben könnte, hängt weniger damit zusammen, dass sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen…

    » Henny » 3830 Tage zuvor » #
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