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Fremde Stadt - Nachschlag

Heute hatte ich einmal mehr die faszinierende Gelegenheit eine Stadtrundfahrt durch Berlin mitzuerleben und wieder einmal musste ich feststellen, dass die Stadt, die in dieser Führung vorgestellt wurde, nicht die Stadt ist, in der ich seit nunmehr 5 1/2 Jahren lebe. Die Leute müssen jetzt glauben Berlin ist entweder Neukölln ogottogott oder das Regierungsviertel. Und sowieso nur kaputte Leute hier. Ich glaube fast, ich lebe gar nicht in Berlin.

Dass die totsicherste Methode, Zuhörer für sich einzunehmen, die ist, ihre Ängste aufzunehmen und zu verstärken, wissen wir spätestens seit Adolph H. Dass Stadtführer (haha) bis heute auf diesen Trick zurückgreifen, wurde mir heute deutlich vor Augen geführt. Warum der Mann erwähnen musste, dass es die Schwarzafrikaner sind, die in Neukölln vor dem Rummelplatz dealen und dass inzwischen auch Türken schwarze Mercedes Benz’ fahren, ist mir schleierhaft. Aber vielleicht bin ich für derartige Fragen einfach nicht sensibel genug.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Fremdheit, die sich bei einem Spaziergang um den Hermannplatz einstelle, frage ich mich inzwischen, warum niemand gegen die geplante China-Town in Oranienburg protestiert… ist ja auch nicht so ein fürchterlich vertrauter Anblick und außerdem steckt da doch auch die Zigaretten-Mafia drin.

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Da fällt mir gerade noch eine herzerfrischende Konstruktion des Anderen ein: Also die Muslime, die kennen ja bestimmte Dinge nicht, die Christen ganz vertraut sind… zum Beispiel den Sonntags- spaziergang, da kann sich jetzt jeder was drunter vorstellen, nur eben die Muslime nicht. Und Zimmerpflanzen kennen die auch nicht. Yuccapalmen gibt’s da nicht im Wohnzimmer. Und mit Ausflügen in der Pferdekutsche können die auch nix anfangen. Früher war es ja auch verboten, auf Pferden zu reiten… Hm… diese Treffsicherheit der Beispiele hat mich ziemlich verblüfft. Ich wusste bisher gar nicht, dass Zimmerpflanzen Teil der christlichen Tradition sind. Wieder was gelernt! Allerdings mache ich mir langsam Sorgen über meine Zugehörigkeit zum christlichen Kulturkreis: Bisher gehörten weder Sonntagsspaziergänge noch Ausflüge mit der Pferdekutsche zu meinem kulturellen Ritual-Repertoire.

 

03.05.2007 20:08 von Henny

  1. Glück gehabt, seit gestern habe ich eine Zimmerpflanze, so schnell werde ich also nicht ausgebürgert.
    Das muslimische Pferdeverbot ist mir übrigens neu. Bedeutet das, dass die wilden Reiterheere, die das Abendland von Asturien bis zum Amselfeld berannten, in Wirklichkeit zu Fuß kamen und die Pferde nur hinter sich herzogen? Ein ulkiger Gedanke..

    » Andreas » 3796 Tage zuvor » #
  2. War’n das vielleicht Türken? Und was ist mit den Mongolen, waren das Muslime? Ich hab doch keine Ahnung, aber an die Reiterheere musste ich auch denken.
    Vielleicht haben sie die Pferde als Transportmittel für Proviant genommen?

    » Henny » 3796 Tage zuvor » #
  3. Oder gleich als Proviant, in Europa fanden sie ja nur Schweine vor..

    Der wandelnde Gegenbeweis heisst Vollblutaraber, ist ein Pferd und sollte es am besten wissen.

    » Andreas » 3795 Tage zuvor » #
  4. Ausgehend von der Proviantthese mussten die Vollblutaraber Reitpferde gewesen sein – zum essen ist an denen schließlich nicht viel dran.

    » Henny » 3795 Tage zuvor » #
  5. Vielleicht mögen die es ja nicht so fett. Sind Burger vom Pferd eigentlich gesünder als das Fleisch vom Dönertier? Oder ist das gar identisch?

    » Andreas » 3794 Tage zuvor » #
  6. Nee. Das Synonym für Dönertier ist Katze. Wusstest du das nicht? ;)

    » Henny » 3794 Tage zuvor » #
  7. Bisher nicht. Wie macht man das denn? Wird die Katze erst gepfählt, dann gehäutet und zum Schluß in den Grill eingespannt?

    » Andreas » 3794 Tage zuvor » #
  8. In etwa. Nur werden noch Beine, Schwanz und Kopf vorher mit so einem praktischen elektrischem Döner-Messer abgesägt – nicht dass die lieben Kleinen (Kinder) noch nen Schock kriegen.

    » Henny » 3794 Tage zuvor » #
  9. Und die Leute denken immer gleich sonstwas, wenn sie Haare in ihrem Döner finden, dabei gehören die mit dazu..

    » Andreas » 3794 Tage zuvor » #
  10. Und das Sperma auch… oder was meinen die, woher die perfekte Konsistenz der Dönersoße Knoblauch-Kräuter-scharf kommt?!

    Hab mich neulich übrigens mit jemandem unterhalten, der in der Gastro arbeitet und der total gut verstehen konnte, warum man in Dönersauße spermt.

    » Henny » 3794 Tage zuvor » #
  11. Sperma ist gar nicht so homogen und gleichförmig viskos, als dass das was bringen würde.

    » Andreas » 3794 Tage zuvor » #
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