Go to content Go to search and navigation

Fackeln im Sturm

Aller orts in den Medien die Diskussion, ob der olympische Fackellauf auf Grund der Proteste abgesagt werden sollte. Sind die Medien von Peking aus gleichgeschaltet? Verstehe ich hier etwas falsch? Konsultiere ich die falschen Medien? Es geht bei den Protesten wohl kaum nur um den Fackellauf. Sie stellen die gesamten Olympischen Spiele in China in Frage. Und das zu recht. Das von IOC-Funktionären, Sportlern und verschiedenen Politikern ohne Unterlass wiederholte Mantra “Sport ist Sport und Politik ist Politik” ist ja mehr als überholt. Dieses inzwischen gigantische Ereignis der Olympischen Spiele ist nicht nur ein Wirtschaftfaktor, es dient auch der Repräsentation des ausrichtenden Staates und ist ein immenses Symbol für die Anerkennung eines Landes, seiner Macht und Politik. Bestes Beispiel: Die Nazi-Spiele 1936.

Mein Fazit ist: Zeichen setzen! Spiele absagen! Spiele boykottieren!

Allerdings plädiert selbst der Dalai Lama für eine Durchführung der Spiele wie geplant. Wahrscheinlich ist er durch seine Erleuchtung in der Lage, eher die Sportler und deren Anstrenung und Vorbereitung zu sehen, als sein eigenes Leid. Vielleicht sollten also umgekehrt auch die Spieler das Leid in Tibet vor ihre eigenen Bemühungen stellen.

 

12.04.2008 23:02 von Henny

  1. Unsere Medien sind schon ziemlich konfrontationsfreudig und bauschen jede unbedachte Äußerung eines drittklassigen Provinz-Polizeisprechers zur Kampfansage an den Westen auf. Die Fakten sprechen jedoch für sich und das taten sie schon vor dem Aufstand. Wenn uns die Annektion Tibets, die chinesische Weltführerschaft im Todesurteilvolltsrecken und die Zensur aller Medien stören würden, dann hätte das Land die Spiele gar nicht erst bekommen dürfen.
    Ich persönlich fände es nicht tragisch, wenn alle hinfahren würden und alle der pressetauglichen Polizei-Umschulung zum Trotz die Reflexe des Systems sehen würden, wenn ein kleiner Mönch bei der Eröffnungsfeier ein Transparent entfaltet, und sich folglich die ganze Schose zum PR-Desaster entwickelt.
    Das klingt gemein, aber die Anderen hinterlassen schließlich auch keinen guten Eindruck.

    » Andreas » 3505 Tage zuvor » #
  2. So hab ich das noch gar nicht betrachtet…

    » Henny » 3504 Tage zuvor » #
  3. Da darf man gar nicht nachbohren, sonst wird einem gleich schlecht. Glaubt man den Statistiken des Schwarzbuches des Kommunismus, und der Europarat tut dies, dann hat die Partei in China wohl 65 Millionen Menschen auf dem Gewissen. Nach Maos Ende fiel der Partei dazu nur ein, dass der große Führer in seinen letzten Jahren ein paar Dinge veranlasst hat, deren Folgen er nicht vorrausgesehen hat und die man rückblickend wohl als Fehler betrachten könnte.. Sind der lange Marsch und die Kulturrevolution alte Kamellen? Was sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens entwickelt hat kann man ja auch nicht gerade als neuartige Diskurskultur bezeichnen.
    Wenn uns das also bisher nicht gestört hat, warum sollten wir jetzt boykottieren? Und eigentlich haben doch die Tibeter ganz unprovoziert angefangen, zumal Tibet die geringste Gulag-Dichte von ganz China hat.

    Doch ernsthaft, ich kann mir schwer vorstellen wie diese Spannung zwischen Inszenierung und Realität in der Öffentlichkeit funktionieren kann. Wie soll das fröhlich weitergehen, wenn sich vor dem Stadium ein Tibeter selbst verbrennt, wenn betrunkene Europäer in den Park pieseln und dafür zusammengeknüppelt und inhaftiert werden. Selbst wenn der Staat gerade wegschaut, ich könnte mir gut vorstellen, dass dem durchschnittlichen Propaganda-Opfer-Chinesen von der Strasse der Nationalismus durchgeht, wenn er ein paar “Free Tibet”-Schilder sieht und es zu einigen unschönen Szenen kommt.
    Der Sport interessiert mich schon gar nicht mehr, ich warte nur noch auf den Eklat.

    » Andreas » 3503 Tage zuvor » #
  4. Die Frage ist nur, wer dann davon berichten wird. Würde mich nicht wundern, wenn nun auch die ausländischen Journalisten von den Spielen ausgeschlossen werden, nachdem wohl auch die ausländischen Studenten China während der Spiele verlassen müssen.

    » Henny » 3502 Tage zuvor » #
  5. Die Visumsgeschichte hat sich wohl aufgeklärt, angeblich bekommt man wohl in dem Zeitraum keine Verlängerung sollte sie gerade ablaufen, bestehende Aufenthaltsgenehmigungen werden aber nicht zurückgenommen.

    » Andreas » 3502 Tage zuvor » #
  Textile-Hilfe


Keine Zielgruppe